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Eine Ära geht zu Ende
16.12.2020


Wir begannen das Verbandsjahr 2020 wie so viele Jahre zuvor, ruhig aber dennoch voller Motivation, neue Schritte in Angriff zu nehmen. Nach und nach entwickelte sich dieses Jahr zu einem der Turbulentesten und uns Einzigartigsten. Nach wie vor hält uns Corona alle auf Trab.
Wir springen in unserer Zeitreise 34 Jahre zurück und starten mit der Mitgliederversammlung 1986 in Romanshorn. Hier wurde Bruno Gutknecht zum Zentralsekretär des SVA gewählt.
Er führte den dazumal kleinen regionalen Verband mit etwas mehr als 1000 Mitgliedern, mit starker und vertrauenswürdiger Hand durch viele Stürme. Kleine Rückschläge nahm er als Herausforderung an, um mit noch mehr Motivation und Durchsetzungswillen die gesteckten Ziele zu erreichen. Dank seiner Geschäftsführung wuchs der Verband zu einer grossen Berufs- und Bildungsorganisation für das Praxis-Fachpersonal, mit aktuell knapp 5000 Mitgliedern, an.
Am 17.12.2020, nach 34 Jahren und im Anschluss an die letzte SVA- Zentralvorstandssitzung, verabschiedeten wir uns von Bruno und auch von seiner Ehefrau Lisa in einem festlichen und kleinen Rahmen - coronakonform.
Bruno, im Vordergrund, «die Stimme des SVA» und Lisa «die fleissige Biene», die im Hintergrund das Rad immer stetig weiter drehen liess.
Im Anschluss an die Laudatio, welche ursprünglich für das Bankett am Samstagabend am Davoser-Kongress geplant gewesen wäre, übergaben wir das von den Sektionen und dem Zentralvorstand gestaltete Erinnerungsbuch als Geschenk.
Lieber Bruno, liebe Lisa, wir wünschen euch auf eurem weiteren Lebensweg von Herzen alles Liebe und Gute.
 
Laudatio
Wenn man, nun in Covid-Zeiten sich in der Phantasie an die Teilnehmenden im Bankett-Saal in Davos richtet, sieht man wohin unser jahrelanger Einsatz geführt hat. Wir alle sind Teil eines massiv gewachsenen Berufsverbands und mit dem Davoser Kongress auch einem immer grösseren und wichtigeren Event des Gesundheitswesens. Wir alle haben diesen Verband und diesen Event mitgeprägt, sei es durch Mithilfe oder auch durch Teilnahme. Heute möchten wir uns bei einer besonders prägenden Persönlichkeit bedanken: Unserem Geschäftsführer Bruno Gutknecht.
Vor 34 Jahren wurde Bruno in Romanshorn zum Zentralsekretär unseres Berufsverbands gewählt. Als Bruno gewählt wurde war unsere derzeitige Präsidentin gerade einmal 2 Jahre alt. Und ich (Marianne) war 20.
Zu dieser Zeit hatte der SVA etwas mehr als tausend Mitglieder und leider auch finanzielle Probleme. Der folgenschwere Entscheid Bruno zum Zentralsekretär zu wählen hat uns einiges beschert. Wer jetzt innerlich schmunzeln muss, weiss wovon ich rede.
Bruno musste sich als Mann in einer damals noch ausschliesslichen Frauendomäne behaupten und war anfangs eine eher kontroverse Figur in unserem Verband. Doch er verstand es wie kein anderer das Potenzial und die Interessen des MPA Berufs zu erkennen und zu fördern. Wir denken zurück an eine Zeit, zu der die MPA noch nicht einmal ein eidgenössisch reglementierter Beruf war. Eine Zeit zu der das Wort des Arztes den Rahmen des Berufs individuell ändern konnte, je nach dem in welcher Praxis man als MPA tätig war. Von den damaligen Lohnverhältnissen wollen wir gar nicht erst anfangen. Der Berufsverband musste sich das nötige Selbstbewusstsein über die Jahre aneignen, um den Beruf MPA zu einem reglementierten EFZ Beruf zu machen. Bruno hat diesen Prozess massgeblich vorangetrieben. Der souveräne Jurist mit dem strengen Blick, den wir alle kennen hat dem Verband gezeigt, wo und wie wir für unsere Interessen einstehen und kämpfen müssen. Die Früchte seiner Arbeit sehen wir, wenn wir die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte betrachten. Wir sind nicht mehr einfach nur die «Arztgehilfinnen». Wir sind anerkannte Profis mit einem klaren Pflichtenheft und einer fundierten medizinischen Ausbildung. Wir wirken in Spitälern, Grosspraxen, Gesundheitszentren und Kleinbetrieben gleichermassen und bewältigen einen stets wachsenden und komplexer werdenden Arbeitsalltag. Wir haben einen starken Berufsverband und können ein umfassendes Weiterbildungsangebot vorweisen und mit der MPK auch eine Weiterentwicklung unseres Berufs und eine Perspektive.  
Auch wenn dieser ganze Erfolgsprozess ein Gemeinschaftsprojekt ist und vom Einsatz jeder einzelnen MPA abhängt, so wissen alle, die den Verband näher kennen: Ohne Bruno hätte das ganze womöglich komplett anders ausgehen können.
Brunos Fähigkeit zu debattieren und seine Durchsetzungskraft haben überall dort gegriffen, wo Geschlechter oder berufliche Rollenbilder einen Dialog erschwert haben. Er repräsentierte unsere Interessen konsequent und hat auch den Zentralvorstand an die Tische der Entscheidungsträger geholt. Er hat seine Arbeit so gut gemacht, dass wir ihn sogar von 1990 bis 2001 mit dem Verband der Dentalassistentinnen teilen mussten
Natürlich macht man sich nicht unbedingt immer beliebt wenn man sich konsequent durchsetzt und auch intern gab Bruno oft zu reden und auch zu streiten. Der Wert dahinter offenbart sich wie so vieles im Nachhinein. Wir konnten als Verband eine Streitkultur entwickeln weil wir selbstbewusster geworden sind. Weil wir uns gegenseitig respektieren und gemeinsam die besten Lösungen finden wollen. Da fliegen auch manchmal die Fetzen am Sitzungstisch und danach geht man trotzdem gemeinsam Abendessen oder kocht gemeinsam auf Vorstandsausflügen.
Damit streifen wir ein Thema, in welchem uns Bruno ebenfalls auf ganzer Linie überzeugt hat. Wer es noch nicht weiss: Bruno ist ein leidenschaftlicher Koch. Wer es wagt in seiner Gegenwart eine Zwiebel mit einem Rüsterli, statt einem Gemüsemesser zu schneiden, wird mit liebevollem Spott gestraft. Es mag kleinlich klingen aber die Resultate gaben Bruno immer recht. Er versteht es wie kein zweiter seine Gäste kulinarisch zu verwöhnen. Und wenn dann die gewohnt passende Auswahl des Weins noch dazukommt, vergisst man manchmal komplett, dass man nicht in einem Sternerestaurant sitzt. Auch hier hat Bruno die Arbeit im Verband positiv geprägt. Der Kongress bietet nicht nur ein fachlich grosses Angebot, sondern ist immer auch ein kultivierter und kulinarisch reicher Anlass mit Musik, gutem Essen und gutem Wein. Ihr seht es alle selbst jedes Jahr aufs Neue. Von einem relativ kleinen Event mit 300 Teilnehmenden entwickelte sich der Davoser Kongress unter seinem Einfluss zu einem Grossanlass mit bis zu 1300 Teilnehmenden, Tendenz steigend.
Ihr seht, die Einflüsse sind sichtbar und spürbar. Und gerade die jüngeren unter euch werden jetzt vielleicht auch etwas anders auf den eigenen Beruf blicken. Die Tatsache, dass ihr in diesem Kongresshaus an diesem Anlass teilnehmen könnt als Berufsleute mit einem EFZ und einer starken Vertretung in Form eines Berufsverbands, die Tatsache, dass ihr über Lohnumfragen bescheid wisst wie ihr im Vergleich bezahlt werdet und nicht zuletzt auch die Tatsache, dass mit dem neuen Beruf der MPK eine Weiterbildungsoption besteht, mit der Ihr weitere Kompetenzen und Verantwortung übernehmen könnt. All das verdankt ihr der Arbeit eurer älteren Berufskolleginnen im Verband und eben auch ganz massgeblich diesem Mann.
Die älteren Teilnehmerinnen möchte ich ebenfalls einladen sich an die bisherige Zeit im Verband zu erinnern. An Vergangene Anlässe, Projekte, Streitpunkte, Krisen, Erfolge und Niederlagen. Wer Bruno kennt weiss, dass er in all diesen Zeiten da war. Mal im Vordergrund, mal im Hintergrund, aber immer mit vollem Einsatz und einem klaren Bild im Kopf. Er hat sich auf einem Vorstandsausflug auf einem Hausboot als geschickter Kapitän erwiesen und rückblickend denke ich, dass er auch den Verband sicher durch alle möglichen Gewässer mitgelenkt hat.
Viele von uns haben Geschichten und Anekdoten mit dir, Bruno und einige haben wir auch in einem kleinen Buch gesammelt, das wir dir als Zeichen unseres Danks und als Erinnerungsstück an die Menschen, die du so sehr geprägt hast gerne überreichen würden. Ich werde hier nicht zu viel verraten aber es sind auch gute Bilder in dem Buch
Manchmal braucht es für den Erfolg ganz vieler Menschen nur die treibende Kraft einer einzigen auffälligen Persönlichkeit. Und für den Verband bist diese Persönlichkeit du. Du hast uns als MPA selbstbewusst, als Verband erfolgreich und als Menschen reicher gemacht.
Dein Mandat als Geschäftsführer wirst du per 31.12. an deinen Nachfolger abgeben. Als Ehrenmitglied wirst du uns natürlich erhalten bleiben und auch als persönlicher Freund. Wir hoffen, dass du mit demselben Stolz auf dein Wirken in unserem Verband zurückblickst wie wir das tun. Auch wenn du dabei vielleicht ein bisschen rot wirst. Du hast definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wir werden alles tun um diesen Eindruck auch weiter zu tragen und die Erfolgsgeschichte weiter zu spinnen.

Vielen Dank für alles Bruno. Du hast jeden Applaus verdient!     Fotos Verabschiedung